Eine Sternstunde der Demokratie

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Heike Bauer-Banzhaf begeistert als Fastenpredigerin der besonderen Art

Es ist keine leichte Aufgabe, in die Fußstapfen von Andreas Uhlig, Arnd Rühlmann und Florian Herrnleben zu treten und die richtige Rolle und Balance für den Auftritt bei der zehnten Auflage der Bamberger Fastenpredigt zu finden.

Heike Bauer-Banzhaf gelingt das mit Bravour. Sie tritt nicht als „Schwester Soundso“ oder „Humsera XXIII.“ auf, sie nimmt die ganz große Rolle an, die der Demokratie, die schaut, was die Bürger der über 1.000jährigen Stadt so alles mit und aus ihr gemacht haben. Das tut weh und das tut gut.

„Ecclesia“, wie sich die Schauspielerin und Trauerrednerin in ihrer Rolle nennt, kommt vom ganz Großen und sagt zur richtigen Zeit die richtigen Worte zu den richtigen Menschen. Zu leicht verfängt der Populismus heutzutage, selbst bei denen, die sich als robust dagegen wähnen. Zu viele Fake News unterwandern seit Jahren und Jahrzehnten unsere Gesellschaft, dabei gibt es Fakten und Wahrheiten, die so offensichtlich sind, dass man sie gar nicht leugnen kann. Eine Impfdosis gegen Extremismus, die regelmäßig gegeben und genommen werden sollte.

Beispiele gefällig? Bambergs Ex-OB Theodor Mathieu ist Abkömmling einer bettelarmen Hugenottenfamilie, die im 16. Jahrhundert aus Frankreich nach Erlangen gekommen ist. Gut ein Viertel aller Beschäftigten in der Pflege haben in Bamberg Migrationshintergrund. Selbst die Gründerfiguren der Regnitzmetropole stammen aus aller Herren Länder. So what? Migration war schon immer ein wichtiger Teil und Motor der deutschen und insbesondere der fränkischen Geschichte. Frage und Problem sind das Management der Zuwanderung, die Kommunikation und der Umgang mit den Geflüchteten und deren Einbindung in die Gesellschaft. Hier hilft Hörigkeit gegenüber dem Fast-Food-Verschlinger mit Testosteron-Geschwür in der Münchner Staatskanzlei wenig, auch und gerade der Bamberger CSU.

Und da sind wir dann bei den „klassischen“ Elementen einer Fastenpredigt. Natürlich bekamen viele ihr Fett weg. Nicht immer böse, wie von den meisten erwartet, manchmal aber schon – und dann auch auf den Punkt. Die Streitereien und Gockeleien in der Bamberger CSU, das organisatorische Chaos der Basisdemokratie bei den Grünen, die Selbstauflösung der FDP und die große Frage, was eine SPD ohne ihr parteischeues Zugpferd Andreas Starke noch ausmacht.

So viel zu den vermeintlich Großen. Ein weiterer wichtiger und richtiger Punkt ist die Ansprache an die „Pink Lady“, die sehr ausführlich und mit mehrfacher Gesangseinlage daherkommt. Die Demokratie appelliert an das Gewissen der sich selbst als „Bürgermeisterin von Gaustadt“ verstehenden Daniela Reinfelder, wieder in ihren Schoß zurückzukehren und sich nicht von den ex-roten und ex-grünen Pferden Stieringer und Einwag weiter vom rechten, vom menschlichen Weg abbringen zu lassen. „Ich, ich, ich“ hilft niemandem weiter und passt eigentlich nicht so ganz zur bisherigen Geschichte des weiblichen Gegenstücks zu Norbert Tscherner aus Bambergs Westen.

Überhaupt ist der Tenor der direkten Ansprache von Ecclesia an die Verantwortlichen der Stadtgesellschaft ein ganz klarer: Arbeitet zusammen, sucht Lösungen statt Schuldige und haltet an den Prinzipien fest, die Bamberg bis 2025 ausmachen. Schließlich – und das zeigt Bauer-Banzhaf in der Schlussviertelstunde – gibt es eine Vision für ein Bamberg 2035. Da leben alle friedlich miteinander und denken an die dunkle Phase des Populismus nur noch zurück, weil sie sie gut überwunden und ihre Stadt zu einer wahren Traumstadt der Deutschen gemacht haben.

Zum Schluss gibt sie die einzigen Ratschläge, die universal gültig sind, zeitlich wie räumlich, und die sich jeder hinter die Löffel schreiben sollte. Das Zitat aus Bibel und Tora: „Was Du nicht willst, das(s) man Dir tu, das füg auch keinem andern zu“ und die drei Schlussworte von Marcel Reifs bewegender Rede vor dem Bundestag zum Holocaust-Gedenktag im letzten Jahr, die ihm sein von den Nazis gepeinigter Vater mit auf den Lebensweg gegeben hat: Sei ein Mensch!

Text und Foto: Markus Raupach